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Montag, 16.09.2019

GENERALVERSAMMLUNG

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Freitag 10. MAI

20.00 Uhr *Trachtenheim*

Tracht

Die Tracht war Ausdruck einer meist regionalen Gemeinschaft.
So spricht man heute, nach bisherigen Erkenntnissen, von 6-7 verschiedenen Trachtenformen, unabhängig von der Farbzusammenstellung, im Spessart. Die Tracht als Kleidung diente zur Präsentation von Besitz und Wohlstand. Je verzierter die Tracht, je detaillierter die Ausprägung, so reicher war die Trägerin oder der Träger. Dennoch gab es Grenzen in den einzelnen Gesellschaftsspitzen, die nicht übertreten werden durften, selbst wenn die finanzielle Basis gegeben war, sich eine aufwendige Tracht anschaffen zu können.
Die Kleidung lieferte dem kundigen Betrachter eine Vielzahl von Informationen. Sie zeigte deutlich an:

  • aus welcher Region die Tracht stammt,
  • aus welchem Dorf der Träger/die Trägerin stammt,
  • die augenblicklichen wirtschaftlichen Verhältnisse,
  • die soziale Stellung innerhalb der Dorfgemeinschaft,
  • den Personenstand (ledig, verheiratet, verwitwet, verwitwet und heiratswillig), vor allem bei Frauen in der Art wie die Schürze mit der Schleife gebunden wurde (links – ungebunden und ledig, rechts – gebunden und verheiratet, mittig – Zeichen der Jungfräulichkeit, hinten gebunden – verwitwet),
  • die Trauerstufe (Voll-, Halb-, Vierteltrauer, Freudenzeit).
Über die von uns getragene Tracht ist aus Aufschreibungen vom Stadtprozeltener Amtsgerichtsrat Dr. Ludwig Döring, der mit Wirkung zum 1. Juli 1862 zum Bezirksarzt II. Klasse in Stadtprozelten ernannt wurde, bekannt:
  • es gab kaum eine allgemein verbreitete Tracht in unserer Region,
  • hauptsächlich war die Tracht auch Arbeitskleidung,
  • sie wurde besonders an den Werktagen, Sommers wie Winters getragen.


Unsere Tracht entnahmen wir aus alten Aufzeichnungen in Zusammenarbeit mit dem damaligen Kreisheimatpfleger Herrn Josef Weiß und Herrn Eugen Zöller - Historiker aus Dorfprozelten. Die farbliche Zusammenstellung fanden wir in alten Zeichnungen eines Malers aus Mondfeld von Leuten aus dem 19. Jahrhundert aus unserer Gegend.
Hiernach wurde die regionale Tracht vorwiegend in den Farben weinrot / schwarz getragen und war in der Zusammenstellung typisch fränkisch.

Weibliche Tracht
Als Kopfbedeckung dient eine schwarze Haube mit aufgesetzter Perlenstickerei. Die Tracht besteht aus keulenförmiger Bluse, darüber getragen ein ärmelloses Mieder, einem langen Rock mit aufgesetzter Schürze. Darunter wird ein weißer Unterrock getragen. Im Sommer wird ein weinrotes Schultertuch verwendet, im Winter die Mutzen, eine langärmelige Jacke zusammen mit dem Schultertuch. Dazu trägt man weiße baumwollene Strümpfe und schwarze Schuhe.

Männliche Tracht
Sie besteht aus einem dreieckiger Hut, rundum auf drei Seiten hoch gerollt, an der Krempe oft Kokarden, Schleifen und ähnliche Accessoires befestigt, die als Abzeichen und der Zugehörigkeit dienten. Weißes Stehkragenhemd, darüber eine knopfverzierte Weste und eine baumwollene Halsbinde und ein schwarzer knopfverzierter Kittel. Als Beingewand dient eine leinene Kniebundhose, unten seitlich geschnürt, weiße Strümpfe und schwarze hochhakige mit Spangen verzierte Schuhe.


Norbert Harder
Stadtprozelten, im März 2012